Anzeichen für Dyskalkulie im Schulalter

 

Haben Sie bereits beobachtet, dass ihr Kind Schwierigkeiten beim Erlernen des Rechnens hat? Haben Sie oder eine andere Person wie z.B. der/die Lehrer/in ihres Kindes den Verdacht, dass es sich um Dyskalkulie handelt? Ich habe einige Merkmale angeführt, die bei dyskalkulen Kindern auftreten können, diese sind in Form von Fragen aufgelistet.

Wenn Sie mehrere der folgenden Fragen mit “Ja” beantworten, dann ist es wichtig, dass Sie den Verdacht abklären lassen:

  • ihr Kind verdreht Zahlen (57 statt 75)?
  • Ihr Kind verwechselt ähnlich klingende Zahlen (18/80)?
  • ihr Kind verwechselt ähnlich aussehende Zahlen (5/6)?
  • ihr Kind schreibt oder liest Zahlen seitenverkehrt?
  • ihr Kind gibt Zahlen beim Abschreiben falsch wieder?
  • ihr Kind hat Schwierigkeiten beim Erlernen des Einmaleins?
  • ihrem Kind gelingt das Zählen und/oder Rückwärts zählen nicht oder nur unter Verwendung der Finger?
  • ihr Kind kann beim Kopfrechnen Zwischenergebnisse nicht gut speichern?
  • Zahlenräume, Mengen, Größen, Formen, Distanzen werden von dem Kind schlecht erfasst und die Verbindung zwischen Zahlenbegriff und Menge fehlt
  • ihr Kind hat Schwierigkeiten beim Überschreiten des Zehner- und/oder Hunderterschritts?
  • ihr Kind hat Textkodierungsprobleme durch Lesedefizite, deshalb gelingt das Verstehen von Sachaufgaben nicht? (– dies kann auch mit einer vorhandenen Legasthenie zusammenhängen)
  • Trotz intensiven Übens erzielt ihr Kind nur wenige oder keine Fortschritte, Geübtes wird schnell wieder vergessen?

 Dyskalkulietraining im Schulalter

 

Das Training legasthener dyskalkuler Kinder im Schulalter setzt bei den drei Bereichen an, bei denen sich Schwierigkeiten zeigen:

  • zeitweise Unaufmerksamkeit beim Rechnen
  • differente Sinneswahrnehmungen*
  • individuelle Fehlersymptomatik beim Rechnen

*Die Sinneswahrnehmungen

Menschen verfügen über verschiedene Sinne. Diese lassen sich einteilen in die Basissinne und die Fernsinne. Wenn wir über Sinne sprechen, denken wir meist gleich an das Sehen, das Hören, das Riechen und das Schmecken. Diese Sinne werden zu den Fernsinnen gezählt. Zu den Basissinnen gehören folgende:

♦ das taktil-kinästhetische System (der Tast-, Berührungs- oder Spürsinn)

♦ das vestibuläre System (die Gleichgewichtswahrnehmung)

♦ das propriozeptive System (die Tiefenwahrnehmung)

Die genannten drei Sinneskanäle sind das Fundament für eine gesunde Entwicklung und bilden den Grundstein dafür, dass die Sinnesempfindungen, die über die Augen, die Ohren, die Nase und den Mund aufgenommen werden anschließend gut verarbeitet werden können.

Kinder mit Dyskalkulie zeigen vor allem im taktilen, kinästhetischen, vestibulären Sinnesbereich Schwierigkeiten und haben eine schlecht ausgeprägte Körper-, Finger- und Raumvorstellung.

 

Merkmale und Ablauf des Trainings:

Bevor mit dem Training begonnen wird, wird mit einem standardisierten pädagogischen Test (AFS- Test) festgestellt, ob und in welchem/n Sinneswahrnehmungsbereich/en ihr Kind Probleme zeigt und ob eine zeitweise Unaufmerksamkeit bei der Beschäftigung mit Symbolen vorhanden ist.

Gemeinsam mit den gewonnen Informationen aus dem Anamnesegespräch und den Ergebnissen eines standardisierten Rechentests, wird, falls sich der Verdacht der Dyskalkulie bestätigt, ein Trainingsplan erstellt, der individuell auf ihr Kind abgestimmt ist.

Das Training erfolgt dann nach der sogenannten AFS-Methode und setzt bei den zuvor genannten drei Bereichen an, wo dyskalkule Kinder Schwierigkeiten zeigen:

 

Aufmerksamkeit

Das heißt es werden Übungen zur Aufmerksamkeitssteigerung durchgeführt und erlernt. Es ist von großer Bedeutung, dass das Kind lernt, die Aufmerksamkeit bewusst zu lenken, wenn es rechnet.

Funktionen

Mit Funktionen sind die Sinneswahrnehmungen gemeint. In jeder Stunde finden Übungen und Spiele zur Verbesserung der Sinneswahrnehmungen statt (je nach dem wo die Schwierigkeiten ihres Kindes liegen – im Bereich der Basissinne, der Optik, der Akustik und/oder der Raumwahrnehmung). Diese werden gezielt ausgesucht und individuell auf die spezifische Problematik des Kindes abgestimmt.

Symptom

Gemeint ist die individuelle Fehlersymptomatik – Die Förderung setzt in den Bereichen an wo das Kind Schwierigkeiten zeigt.*

Bei der Förderung kommen unterschiedliche Materialien und Techniken, in Form von (Lern-)spielen und Übungen zum Einsatz. Auch Übungen und Spiele am Computer sind Bestandteil des Trainings, da die Arbeit am Computer enorm zur Motivation der Kinder beiträgt und außerdem den Bedürfnissen dyskalkuler (und auch legasthener) Kinder sehr entgegen kommt.

Es kann auch vorkommen, dass Kinder sowohl von Legasthenie, als auch von Dyskalkulie betroffen sind. In diesem Fall werden in jeder Trainingsstunde die Aufmerksamkeit und die jeweiligen Sinneswahrnehmungsbereiche gefördert (da diese sowohl bei Legasthenie, als auch bei Dyskalkulie betroffen sind). Abwechselnd wird in den Stunden einmal am Symptombereich der Dyskalkulie und das andere Mal am Symptombereich der Legasthenie gearbeitet.

Setting:

Da das Dyskalkulietraining ab dem Schulalter individuell auf ihr Kind und die Schwierigkeiten die es hat, abgestimmt wird, findet das Training im Schulalter nur im Einzeltraining statt (spätestens ab der 2. Klasse Volksschule).

Frequenz des Dyskalkulietrainings:

Das Dyskalkulietraining in der Praxis sollte mindestens einmal pro Woche stattfinden. Darüber hinaus ist es wichtig, 10-20 Minuten täglich für das Training zu Hause einzuplanen. Für das Training zu Hause bekommen Sie von mir die Unterlagen und Materialien zu Verfügung gestellt.

Wenn Sie Fragen haben oder einen Termin vereinbaren wollen, freue ich mich auf Ihren Anruf oder eine Nachricht per e-mail (-> Kontakt).