DYSKALKULIE IM KINDERGARTENALTER

Frühe mathematische Fähigkeiten erkennen. Entwicklung begleiten.

Bereits im Kindergartenalter entwickeln Kinder wichtige Grundlagen für das spätere Rechnenlernen.

Sie entdecken Zahlen, vergleichen Mengen, zählen Gegenstände und entwickeln nach und nach ein Verständnis dafür, was Zahlen bedeuten.

Bei manchen Kindern zeigen sich bereits vor dem Schuleintritt deutliche Schwierigkeiten in diesen mathematischen Vorläuferfähigkeiten. Diese können Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für spätere Rechenschwierigkeiten sein.

Das bedeutet jedoch nicht, dass bereits eine Dyskalkulie vorliegt. Kinder entwickeln mathematische Fähigkeiten unterschiedlich schnell. Entscheidend ist daher die Betrachtung der gesamten Entwicklung.

Wichtig zu wissen

Im Kindergartenalter steht nicht die Diagnose einer Dyskalkulie im Vordergrund, sondern das Erkennen möglicher Risikohinweise und die frühzeitige Unterstützung mathematischer Grundlagen.

Was ist Dyskalkulie? →
MATHEMATISCHE VORLÄUFERFÄHIGKEITEN

Was entwickelt sich vor der Schule?

Kinder erwerben im Alltag zunehmend mathematische Kenntnisse und grundlegende Vorstellungen von Mengen und Zahlen.

01

Mengen erkennen und vergleichen

Kinder lernen zu unterscheiden, wo mehr, weniger oder gleich viele Gegenstände sind. Kleine Mengen können zunehmend auch ohne einzelnes Abzählen erkannt werden.

02

Zählen und Mengen zuordnen

Neben der Zahlwortreihe entwickeln Kinder die Fähigkeit, Gegenstände einzeln abzuzählen und die passende Gesamtanzahl zu bestimmen.

03

Zahlen verstehen

Kinder beginnen zu verstehen, dass Zahlen bestimmte Anzahlen bezeichnen. Sie erkennen zunehmend Zusammenhänge zwischen Zahlwörtern, Ziffern und Mengen.

04

Erste Zahlbeziehungen entdecken

Kinder entwickeln Vorstellungen davon, wie Zahlen zusammenhängen. Beispielsweise entdecken sie, dass sich vier Gegenstände in drei und einen aufteilen lassen.

FRÜHZEITIG UNTERSTÜTZEN

Mathematische Entwicklung spielerisch begleiten

Kinder müssen vor dem Schuleintritt noch nicht rechnen können. Viel wichtiger ist es, grundlegende mathematische Vorstellungen durch gemeinsame Erfahrungen und altersgerechte Spiele aufzubauen.

Wenn über längere Zeit deutliche Schwierigkeiten auffallen, kann eine fachliche Einschätzung dabei helfen, den Entwicklungsstand und mögliche Förderbedürfnisse genauer zu beurteilen.

FRÜHE HINWEISE ERKENNEN

Wann lohnt sich genaueres Hinsehen?

Kinder entwickeln ihr Verständnis für Zahlen und Mengen in unterschiedlichem Tempo. Manche benötigen dabei mehr Zeit und Unterstützung.

Wenn bestimmte mathematische Grundlagen auch nach wiederholten, altersgerechten Erfahrungen nur schwer erworben werden, kann dies auf einen erhöhten Unterstützungsbedarf hinweisen.

Die folgenden Beobachtungen können eine erste Orientierung bieten. Sie ersetzen jedoch keine fachliche Einschätzung und erlauben für sich genommen keine Diagnose.

01 MENGENVERSTÄNDNIS

Mengen erkennen und vergleichen

Manche Kinder haben Schwierigkeiten einzuschätzen, wo mehr oder weniger Gegenstände vorhanden sind.

Auch das unmittelbare Erkennen kleiner Mengen, beispielsweise von zwei oder drei Gegenständen, kann ihnen noch schwerfallen.

BEISPIEL AUS DEM ALLTAG

Wer hat mehr?

Auf einem Teller liegen zwei Kekse, auf einem anderen vier.

Ein Kind kann trotz deutlichem Unterschied noch nicht sicher erkennen, auf welchem Teller mehr Kekse liegen.

02 ZÄHLENTWICKLUNG

Zählen und Abzählen

Die Zahlwortreihe wird zunächst häufig auswendig gelernt. Erst nach und nach verstehen Kinder, wie sie damit Gegenstände abzählen können.

Auffällig kann sein, wenn ein Kind beim Abzählen wiederholt Gegenstände überspringt, doppelt zählt oder die Zahlwörter nicht passend zuordnet.

BEISPIEL AUS DEM ALLTAG

Wie viele Bausteine?

Das Kind soll fünf Bausteine abzählen.

Es berührt manche Bausteine mehrfach oder nennt die Zahlwörter schneller, als es auf die Gegenstände zeigt.

03 ZAHLENVERSTÄNDNIS

Zahlen mit Mengen verbinden

Kinder lernen schrittweise, dass eine Zahl eine bestimmte Anzahl bezeichnet.

Manche Kinder können die Zahlwortreihe bereits aufsagen, verstehen aber noch nicht zuverlässig, dass das letzte Zahlwort beim Abzählen die Gesamtanzahl angibt.

BEISPIEL AUS DEM ALLTAG

Gib mir drei!

Ein Kind kann bis zehn zählen, hat aber Schwierigkeiten, aus einer größeren Menge genau drei Spielsteine herauszunehmen.

Die Bedeutung der Zahl ist noch nicht sicher mit der Menge verbunden.

04 ERSTE ZAHLBEZIEHUNGEN

Veränderungen von Mengen verstehen

Im Laufe ihrer Entwicklung entdecken Kinder, dass eine Menge größer wird, wenn etwas dazukommt, und kleiner, wenn etwas weggenommen wird.

Manche Kinder haben Schwierigkeiten, diese Veränderungen auch bei kleinen, anschaulich dargestellten Mengen nachzuvollziehen.

BEISPIEL AUS DEM ALLTAG

Einer kommt dazu

Zwei Spielfiguren stehen auf dem Tisch. Eine dritte wird dazugestellt.

Das Kind erkennt noch nicht sicher, dass es jetzt mehr Figuren sind.

WICHTIG FÜR DIE EINORDNUNG

Einzelne Schwierigkeiten sind noch kein Hinweis auf eine Dyskalkulie.

Die Entwicklung mathematischer Fähigkeiten verläuft nicht bei allen Kindern gleich. Auch Alter, bisherige Lerngelegenheiten, sprachliche Voraussetzungen und die konkrete Aufgabensituation spielen eine Rolle.

Eine einzelne Auffälligkeit oder eine falsch gelöste Aufgabe erlaubt deshalb keine verlässliche Aussage über eine spätere Rechenstörung.

Besonders wichtig

Aussagekräftiger wird eine Beobachtung, wenn Schwierigkeiten über längere Zeit, in verschiedenen Situationen und trotz passender Unterstützung bestehen bleiben.

ORIENTIERUNG FÜR ELTERN

Worauf kommt es beim Beobachten an?

Am besten lassen sich frühe mathematische Fähigkeiten in vertrauten, spielerischen Alltagssituationen beobachten.

Entwicklung über längere Zeit betrachten

Wichtig ist, ob ein Kind nach und nach Fortschritte macht oder in grundlegenden Bereichen weiterhin große Schwierigkeiten zeigt.

Verschiedene Situationen einbeziehen

Beim Spielen, Tischdecken oder Verteilen von Gegenständen zeigen Kinder häufig unterschiedliche mathematische Fähigkeiten.

Stärken und Interessen beachten

Nicht nur Schwierigkeiten sind wichtig. Auch vorhandene Fähigkeiten helfen, geeignete Fördermöglichkeiten zu finden.

Früh erkennen bedeutet nicht früh diagnostizieren.

Im Kindergartenalter können mögliche Risiken für spätere Rechenschwierigkeiten sichtbar werden. Eine sichere Vorhersage einer späteren Dyskalkulie ist damit jedoch nicht möglich.

Ziel ist es, Kinder mit einem erhöhten Unterstützungsbedarf frühzeitig zu erkennen und ihre mathematische Entwicklung durch geeignete Angebote zu fördern.

SPIELERISCHE FÖRDERUNG IM ALLTAG

Mathematische Grundlagen spielerisch stärken

Kinder entdecken Zahlen und Mengen am besten durch eigenes Handeln, Ausprobieren und gemeinsames Spielen.

Viele Alltagssituationen bieten Möglichkeiten, mathematische Vorläuferfähigkeiten zu fördern. Dafür braucht es weder besondere Lernmaterialien noch schulähnliche Übungseinheiten.

Wichtig ist, dass die Spiele zum Entwicklungsstand des Kindes passen und Freude machen. So können grundlegende Vorstellungen von Mengen und Zahlen schrittweise aufgebaut werden.

01 KLEINE MENGEN ERKENNEN

Würfelbilder entdecken

Würfelspiele helfen Kindern, kleine Mengen zunehmend ohne einzelnes Abzählen zu erkennen.

SPIELIDEE

Würfeln und legen

Gemeinsam wird gewürfelt. Das Kind legt anschließend genauso viele Spielsteine auf den Tisch, wie Würfelpunkte zu sehen sind.

Zu Beginn können ein bis drei Punkte verwendet werden. Später werden auch größere Würfelbilder einbezogen.

Das wird gefördert: Mengenerfassung und Verbindung zwischen Würfelbild und Anzahl.
02 ZÄHLEN UND ZUORDNEN

Gemeinsam den Tisch decken

Beim Verteilen von Gegenständen können Kinder lernen, jedem Platz genau einen Gegenstand zuzuordnen.

SPIELIDEE

Ein Teller für jeden

„Heute essen vier Personen mit. Wie viele Teller brauchen wir?“

Das Kind darf die Teller verteilen und anschließend überprüfen, ob jeder einen Teller bekommen hat.

Das wird gefördert: Eins-zu-eins-Zuordnung, Abzählen und Verständnis der Gesamtanzahl.
03 MENGEN VERGLEICHEN

Mehr, weniger oder gleich viel?

Kinder entwickeln durch das Vergleichen von Mengen ein Verständnis für Unterschiede und Beziehungen zwischen Anzahlen.

SPIELIDEE

Zwei Schatzkisten

In zwei Schalen werden unterschiedlich viele Spielsteine gelegt.

Gemeinsam wird überlegt, in welcher Schale mehr oder weniger Steine liegen. Anschließend können die Mengen so verändert werden, dass beide gleich viele enthalten.

Das wird gefördert: Mengenvergleich und Verständnis von mehr, weniger und gleich viel.
04 ERSTE ZAHLBEZIEHUNGEN

Mengen aufteilen und verändern

Kinder können spielerisch entdecken, dass sich Mengen auf unterschiedliche Arten zusammensetzen und zerlegen lassen.

SPIELIDEE

Die Schatzaufteilung

Vier Spielfiguren werden auf zwei Spielplätze verteilt.

„Auf dem einen Platz stehen drei Figuren. Wie viele stehen auf dem anderen?“

Danach dürfen die Figuren anders verteilt werden. Die Gesamtanzahl bleibt gleich.

Das wird gefördert: Erste Zahlzerlegungen und das Verständnis von Teil und Ganzem.
MATHEMATIK IM ALLTAG

Zahlen begegnen uns überall.

Auch unterwegs lassen sich mathematische Erfahrungen spielerisch in den Alltag integrieren.

Beim Spazierengehen können beispielsweise Stufen gezählt, Hausnummern entdeckt oder kleine Mengen verglichen werden.

Kinder, die sich bereits für Ziffern interessieren, können passende Zahlen auf Schildern suchen und mit konkreten Mengen in Verbindung bringen.

Kleine Ideen für unterwegs

„Wie viele rote Autos sehen wir?“

„Sind auf diesem Spielplatz mehr Schaukeln oder Rutschen?“

„Wir haben drei Kastanien. Was passiert, wenn wir noch eine finden?“

DAS IST BEIM ÜBEN WICHTIG

Spielerisch fördern – ohne Leistungsdruck

Mathematische Erfahrungen sollen Neugier wecken und Erfolgserlebnisse ermöglichen. Entscheidend ist nicht das Tempo, sondern das Verständnis.

Beim Bekannten beginnen

Spiele sollten an den vorhandenen Fähigkeiten des Kindes ansetzen. Neue Anforderungen werden schrittweise eingeführt.

Kurz und abwechslungsreich

Kleine Spielgelegenheiten im Alltag sind meist besser geeignet als lange Übungsphasen, die das Kind überfordern.

Gemeinsam entdecken

Kinder profitieren davon, wenn Erwachsene ihre Überlegungen begleiten, Fragen stellen und gemeinsam Lösungswege ausprobieren.

Frühe Förderung schafft wichtige Grundlagen.

Spielerische Angebote können die Entwicklung mathematischer Vorläuferfähigkeiten unterstützen und Kindern helfen, zunehmend sichere Vorstellungen von Mengen und Zahlen aufzubauen.

Sie können eine spätere Dyskalkulie jedoch nicht zuverlässig verhindern. Wenn deutliche Schwierigkeiten bestehen bleiben, kann eine gezielte fachliche Einschätzung sinnvoll sein.

ENTWICKLUNG UND ABKLÄRUNG

Wann ist eine Abklärung sinnvoll?

Nicht jedes Kind, dem das Zählen oder der Umgang mit Mengen schwerfällt, benötigt sofort eine Untersuchung.

Wenn Schwierigkeiten jedoch über längere Zeit bestehen, deutlich ausgeprägt sind oder sich trotz passender spielerischer Unterstützung nur wenig verändern, kann eine fachliche Einschätzung hilfreich sein.

Ziel ist es, die mathematische Entwicklung besser zu verstehen, mögliche Entwicklungsrisiken einzuordnen und geeignete Fördermöglichkeiten aufzuzeigen.

ORIENTIERUNG FÜR ELTERN

Wann lohnt sich fachlicher Rat?

Anhaltende Schwierigkeiten

Wenn grundlegende mathematische Fähigkeiten über längere Zeit deutlich schwerfallen und nur geringe Fortschritte erkennbar sind.

Mehrere Auffälligkeiten

Wenn sich Schwierigkeiten in verschiedenen Bereichen zeigen, beispielsweise beim Mengenerkennen, Abzählen und Zahlenverständnis.

Schwierigkeiten trotz Unterstützung

Wenn das Kind auch bei altersgerechten, anschaulichen Spielangeboten wesentliche Grundlagen nur schwer erwirbt.

Sorgen von Eltern oder Kindergarten

Wenn wiederholt Unsicherheiten bezüglich der Entwicklung bestehen oder das Kind durch seine Schwierigkeiten belastet erscheint.

ENTWICKLUNGSBEZOGENE DIAGNOSTIK

Was kann im Vorschulalter untersucht werden?

Die Auswahl geeigneter Untersuchungsverfahren richtet sich nach dem Alter des Kindes und der jeweiligen Fragestellung.

01

Entwicklungsgeschichte und Beobachtungen

Im Gespräch werden die bisherige Entwicklung, die Stärken des Kindes, beobachtete Schwierigkeiten und vorhandene Lerngelegenheiten berücksichtigt.

02

Mathematische Vorläuferfähigkeiten

Mit geeigneten altersbezogenen Verfahren und Beobachtungen können beispielsweise das Mengenverständnis, die Zählentwicklung und erste Zahlbeziehungen eingeschätzt werden.

03

Weitere Entwicklungsbereiche

Wenn es die Fragestellung erfordert, können auch sprachliche, kognitive oder aufmerksamkeitsbezogene Fähigkeiten einbezogen werden.

04

Einschätzung und Empfehlungen

Die Ergebnisse helfen dabei, vorhandene Stärken und einen möglichen Förderbedarf zu erkennen sowie geeignete nächste Schritte zu planen.

WICHTIGE UNTERSCHEIDUNG

Früherkennung ist nicht gleich Dyskalkuliediagnostik.

Bereits vor dem Schuleintritt lassen sich mathematische Vorläuferfähigkeiten untersuchen und mögliche Risikohinweise für spätere Rechenschwierigkeiten feststellen.

Eine Rechenstörung wird hingegen auf Grundlage ausgeprägter und anhaltender Schwierigkeiten beim Erwerb mathematischer Fertigkeiten unter Berücksichtigung geeigneter diagnostischer Kriterien beurteilt.

Im Kindergartenalter steht deshalb vor allem die Einschätzung des mathematischen Entwicklungsstandes und möglicher Risiken im Vordergrund. Aus frühen Auffälligkeiten lässt sich nicht sicher vorhersagen, ob später eine Dyskalkulie vorliegen wird.

Gut zu wissen

Eine frühzeitige Förderung ist auch ohne gesicherte Dyskalkuliediagnose möglich und kann sinnvoll sein. Entscheidend ist der individuelle Entwicklungsstand des Kindes.

WIE GEHT ES WEITER?

Unterstützung passend zur Entwicklung planen

Welche Maßnahmen hilfreich sind, hängt von den beobachteten Schwierigkeiten und den vorhandenen Fähigkeiten ab.

Gezielte Förderung

Spielerische Übungen können helfen, wichtige mathematische Vorläuferfähigkeiten weiterzuentwickeln.

Entwicklung begleiten

Fortschritte und weiterhin bestehende Schwierigkeiten können im Verlauf gemeinsam betrachtet werden.

Schulbeginn vorbereiten

Bei Bedarf können Empfehlungen helfen, den Übergang in die Schule zu begleiten und mathematische Grundlagen zu stärken.

KLINISCH-PSYCHOLOGISCHE BERATUNG UND DIAGNOSTIK IN WIEN

Sie machen sich Sorgen um die mathematische Entwicklung Ihres Kindes?

Als Klinische und Gesundheitspsychologin unterstütze ich Eltern dabei, Entwicklungsfragen einzuordnen und den individuellen Unterstützungsbedarf ihres Kindes besser zu verstehen.

Gemeinsam können wir besprechen, ob eine klinisch-psychologische Abklärung sinnvoll ist und welche nächsten Schritte infrage kommen.